Stadtsommer, vormittags

Sobald das Licht die Dächer erreicht, beginnt der Tag zu gleißen.
Eine einzelne Wolke treibt durchs Bild,
unauffällig und in Auflösung begriffen.
In der Ferne ein Flugzeug im Landeanflug, lautlos, scheinbar,
bis das Geräusch der Motoren plötzlich irritiert.
Zwischen den Fassaden jagen die Schwalben,
vier, fünf, sieben Sommervögel.
Sie lassen die Häuser zu Felsklippen werden und die Straße zum Ozean.
Hinter den Häuserreihen, im Weiherpark, bewegen sich,
hoch aufragend und mit der Gleichmäßigkeit von Meeresalgen,
die Pappeln.

(Es muss das unzweifelhafte Fehlen von Wasser sein,
das diese Assoziationen hervorruft…)

In zwei, höchstens drei Stunden wird es so heiß sein,
dass man die Straße nicht mehr freiwillig betreten möchte.
Und die Bewegung der Stadt, ihr permanenter Fluss,
im Moment noch von gewöhnlicher Geschwindigkeit,
wird sich verlangsamen,
sich stockend, zäh durch die Nachmittagshitze schieben
und danach sehnen, dass der Tag vorbei geht.

Noch ist es nicht so weit.
Noch ist es angenehm draußen und so definitiv das,
was man einen strahlend schönen Sommertag nennt.

Zu sehen: Blau, Weiß
(die unaufdringlichen Wolken sind etwas zahlreicher geworden),
Grün (fleckenweise)
und die vorwiegend dunklen Farben der Dächer.
Zu hören: Blätterrauschen, die Autos (unvermeidbar)
und eine Baustelle zwei Querstraßen weiter.
Ab und an die hohen Rufe der Schwalben auf der Jagd.

Es sind Momente in solchen Tagen, nach denen ich
die Hand ausstrecken möchte und sie festhalten,
anhalten in der Zeit, damit der Tag bleibt, wie er jetzt ist,
mit dem leichten Wind und gerade noch nicht zu warm;
mit dem Licht und den stillen Wolken und den Schwalben.
Ich möchte die Stadt in ihrer treibenden Bewegung
zum Stillstand bringen,
die Autos, die Baustellen, die Menschen im Vorübereilen.

Und dann hinausgehen, wenn alles innehält
und durch das Standbild der Stadt mich treiben lassen,
im Sommer
und außerhalb der Zeit.

notiert, 23.07.2014

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