Zu Fuß

Ich bleib heut nicht stehen
und wart auf den Bus,
der im Stau nicht vorankommt –
Ich geh zu Fuß!

Heute lass ich den Wind
um die Nase mir wehen,
kann in Vorgärten gucken,
mich nach Katzen umdrehen.

Warum soll ich mich hetzen,
wenn ich nicht muss?
Ich hab es nicht eilig, denn:
Ich geh zu Fuß.

Rundum wachsen die Bäume
samt den Häusern der Stadt
und man staunt wer so alles
keine Vorhänge hat…

Fünf-Uhr-Stau auf den Straßen
und den ganzen Verdruss –
muss ich mir nicht geben, denn:
Ich geh zu Fuß!

Könnt so stundenlang mich zwischen
Häusern und Menschen bewegen…
Cafés, Spielplätze, Parks –
Die Stadt riecht nach Leben.

Eine Ahnung von Frühling,
die Dinge im Fluss –
in der Luft kann ich‘s spüren, denn:
Ich geh zu Fuß!

Manch einer mag denken,
ich ließe mich treiben,
nicht schnell genug mich
von den Zeiten aufreiben…
Doch mit Höchstgeschwindigkeit
durch das Leben zu jagen,
scheint mit dem Leben
sich mir nicht zu vertragen.

Und so zieh ich nun weiter
und sage zum Schluss:
Lass andere doch rennen –
Ich geh zu Fuß!

notiert, 04.April 2015

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6 Kommentare zu “Zu Fuß

  1. Ohne Schnörkel einfach schön geschrieben und schön zu lesen👍

  2. sofasurfer sagt:

    So manch tiefes und nachdenkliches hab ich schon von Dir gelesen – doch hier ganz leicht, locker und beschwingt!
    Die Sonne lacht und scheint auf Deine vielen Facetten 🙂
    Komm immer wieder gern vorbei.

  3. Deliah Rill sagt:

    … und bist immer wieder von Herzen wilkommen, geschätzter Leser und Schreiber solch schöner Worte! 🙂

  4. wunderbares gedicht (es erinnert mich ein wenig an mascha kaléko, die ich sehr mag!). und oft geht es mir genau wie der dichterin – ich gehe zu fuß: um mehr zu entdecken, um mehr zeit zu haben, um ganz gemüt- und beschaulich durchs leben zu wandern!

    • Deliah Rill sagt:

      Mascha Kaléko? Ich hatte sie beim Schreiben nicht im Kopf – aber vielleicht ja im Gefühl? Dein Vergleich ist ein großes, schönes Kompliment für mich… 🙂
      Und ja, genau um dieses „mehr“ an Zeit und Entdecken geht es im Gedicht, das ich so oft schon in Deinen Bildern gesehen habe 🙂 – und das sich auftut, wenn man das Tempo rausnimmt aus den Dingen…

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