Nicht viel

Es ist vielleicht nicht viel, was ich tat
um Dir zu zeigen, was Du bist
für mich:

Ich habe für Dich gelacht
und geleuchtet.

Ich bin für Dich aufgestanden
und habe Dich gehalten.

Ich ließ Dich frei
und ich ließ Dich ankommen.

Ich habe mich an Dir erfreut
und mich von Dir tragen lassen.

Ich habe Dich meinen Tag genannt
und Dich im Dunkeln begleitet.

Ich habe in Deinem Atem gelegen in der Nacht,
bin durch Deine Haut gewandert
und habe die Sterne in Deinen Augen gezählt,
während Du mich angesehen hast.

Ich habe Dich angesehen
und ich bin geblieben.

Es ist vielleicht nicht viel, was ich tat
aber es ist
immer da.

 

notiert 15.04.2014,
für B.

Die Summe

Es heisst
ein Mensch sei immer
die Summe vieler Teile

Wenn wir nun also einen Menschen
im Großen und Ganzen
zusammengenommen
und eigentlich doch ganz und gar
lieben möchten

sollten wir bedenken

was jene Teile betrifft
die ab und zu
wiederholtermaßen
und eigentlich doch immer wieder
unausstehlich erscheinen

dass jene Teile
zu der Summe zählen
die der Mensch ist
den wir lieben möchten

und jeder Teil
den wir nicht zählen wollen
verringert die Summe

 

notiert Juni 2013

Dunst

Der Tag schwebt im Dunst.
Die Schatten sind eigentümlich lang,
die Luft gelblich und sie sieht tatsächlich wärmer aus, als sie ist.

Zwischen dem Gilbweiß der Luft das helle, springende Grün von Frühlingsblättern.
Der Tag schwebt wahrhaftig,
scheint keinerlei Berührung mit dem Boden zu haben
und die Luft, so nah,
schafft eine seltsame Distanz zwischen den Dingen Weiterlesen

Aufforderung

Es ist halb zwei und es regnet.
Nichts da draußen, was zu versäumen wäre.
Der Tag plätschert dahin (im wahrsten Sinne).

Die Regenrinne draußen vor dem Balkon, den niemand betreten darf
und drinnen die Abwasseranlage der Station.
Eine anhaltende Geräuschkulisse, auch nachts,
irritierend.

Ich warte auf den Ausgang dieser drei eingeschlossenen Tage. Weiterlesen

Bei Vollmond

In Vollmondnächten fällt es mir nicht leicht, zu schlafen.

Es ist kühl draußen jetzt und nahezu klar.

Die Ränder der Wolken schimmern grün.

Ein Donnerstag um eins
und in vielen Fenstern ist noch Licht.

Ich warte darauf, dass ich müde werde
und eigentlich bin ich es längst.
Nur ist da diese Unruhe, die mich wach bleiben lässt.
Ich spüre sie in der Luft,
höre sie auf der Straße
und rieche sie durch die irritierende Helle dieser Nacht. Weiterlesen

Jetzt

Es gibt Tage, die suchen sich keinen Raum in der Zeit.
Sie gehen einfach vorüber.
Ereignis- und scheinbar bedeutungslos.

Vielleicht, weil sie zu früh beginnen mussten
oder zu spät erst in die Gänge kamen.

Vielleicht, weil der Himmel trüb ist
und die Schwalben tief fliegen.

Vielleicht, weil alles, was an sinnvollen Tätigkeiten wartet
dabei jedweden Vergnügens an sich selbst entbehrt? Weiterlesen

Ein Anflug von Dunkel am hellichten Tage

Manchmal frage ich mich, woran es liegt, dass ich fast immer zuerst von etwas schreibe, das ich gerade sehe.
Ob es Tag ist etwa oder Nacht,
wie das Licht auf die Hausdächer fällt
und von den Uferlandschaften, die man in Wolken erblicken kann.
Ich schreibe von etwas was da ist,
außen um mich,
klar erkennbar und nur zufällig mit diesem Moment verbunden,
in dem ich mich hinsetze und zu schreiben anfange.
Danach erst komme ich zu dem,
was meinem plötzlichen Entschluss zu Grunde liegt
und erzähle was innen ist,
was mich umtreibt, unsichtbar. Weiterlesen