Das Licht ist tiefer

Das Licht ist tiefer
und die Zweige leichter,
zerbrechlich, wenn man sie erfasst
Im Land der Dächer
wirkt der Himmel bleicher
und wieder kommt die Zeit der Möwen in der Stadt.
Das Licht ist tiefer,
die Musik im Radio seichter –
es hat das Jahr, wie’s scheint, sich selber satt.
In vielem gleich
(für manche gleicher)
Wird auf den Abschluss zugerast.

Das Licht ist tiefer,
doch von leisem Strahlen.
Die Hausfassaden scheinen aufgehellt.
Die Wolken ziehen
und sammeln sich im Westen
in Richtung auf den Abend hin…
Das Licht ist tiefer –
Wenn ich könnte, würd ich’s malen –
Und ein Gedanke, seltsam, kommt mir in den Sinn:
Manch´ Dinge wandeln sich von selbst zum Besten,
wenn ihnen Zeit gewährt wird in der Welt.

Das Licht ist tiefer
Und ich kann es fühlen:
Es wärmt, auch wenn es kaum die Haut berührt.
Der Wind bricht auf und rüttelt an den Bäumen.
Er treibt das Jahr in Wirbeln vor sich her.
Das Licht ist tiefer –
Es gäb‘ viel zu wühlen
In dem was war und was nicht kam und mehr…
Der Herbstwind treibt Blätter von Ängsten und Träumen –
treibt fort, was war,
schafft Raum für das, was wird.

 

notiert, 14.November 2014

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Indifferent

Bei Gelegenheit kann es geschehen,
dass ich nicht weiß, was ich ist.
Die Farben: Hell strahlend vor dunkelgrauem Grund.
Die Bewegung: Vorantreibend, im Stillstand.
Der Zustand: Gefangen, aber doch befreit.
Haltlos, ein sicheres Ziel vor Augen.

Ich denke dann, ich bin Weiterlesen

Möglichkeiten

Wir sind umgeben von Möglichkeiten.
Immerzu und auch dann, wenn wir denken,
es gäbe nichts zu entscheiden, weil alles bereits bestimmt sei.
Die Bestimmung geschieht mit jedem Schritt, den wir tun,
mit jedem Satz, den wir sagen oder schreiben
und sie geschieht immer vorübergehend.
Jedem Schritt und jedem Satz geht die Möglichkeit voraus,
etwas so oder vollkommen anders zu tun.
Und mit jeder Entscheidung legen wir
in einem Augenblick ein Stückweit Zukunft fest. Weiterlesen

Im Tag stehend

Im Tag stehend
warte ich auf das Ende von Gestern
und auf alles
was ich heute tun werde
um von morgen erzählen zu können

Der Wind treibt
die Dinge in Grün vor sich her
treibt mich
an Wolken geklammert
aus dem Gewesenen in das was noch nicht ist

Und ich berühre
die Luft
Sie ist weiß und wärmer
als die Wolken
die sich auflösen hoch oben
in dem grünen Wind
über dem Tag
in dem ich stehe

am Anfang.

 

notiert 13.04.2014

Dunst

Der Tag schwebt im Dunst.
Die Schatten sind eigentümlich lang,
die Luft gelblich und sie sieht tatsächlich wärmer aus, als sie ist.

Zwischen dem Gilbweiß der Luft das helle, springende Grün von Frühlingsblättern.
Der Tag schwebt wahrhaftig,
scheint keinerlei Berührung mit dem Boden zu haben
und die Luft, so nah,
schafft eine seltsame Distanz zwischen den Dingen Weiterlesen

Aufforderung

Es ist halb zwei und es regnet.
Nichts da draußen, was zu versäumen wäre.
Der Tag plätschert dahin (im wahrsten Sinne).

Die Regenrinne draußen vor dem Balkon, den niemand betreten darf
und drinnen die Abwasseranlage der Station.
Eine anhaltende Geräuschkulisse, auch nachts,
irritierend.

Ich warte auf den Ausgang dieser drei eingeschlossenen Tage. Weiterlesen

Bei Vollmond

In Vollmondnächten fällt es mir nicht leicht, zu schlafen.

Es ist kühl draußen jetzt und nahezu klar.

Die Ränder der Wolken schimmern grün.

Ein Donnerstag um eins
und in vielen Fenstern ist noch Licht.

Ich warte darauf, dass ich müde werde
und eigentlich bin ich es längst.
Nur ist da diese Unruhe, die mich wach bleiben lässt.
Ich spüre sie in der Luft,
höre sie auf der Straße
und rieche sie durch die irritierende Helle dieser Nacht. Weiterlesen

Jetzt

Es gibt Tage, die suchen sich keinen Raum in der Zeit.
Sie gehen einfach vorüber.
Ereignis- und scheinbar bedeutungslos.

Vielleicht, weil sie zu früh beginnen mussten
oder zu spät erst in die Gänge kamen.

Vielleicht, weil der Himmel trüb ist
und die Schwalben tief fliegen.

Vielleicht, weil alles, was an sinnvollen Tätigkeiten wartet
dabei jedweden Vergnügens an sich selbst entbehrt? Weiterlesen