Momentanes Stillleben an einem Freitag

Die Sonne heute ist ein verschwimmender Fleck im Nebel,
die Spiegelung eines Lichtscheins an einer Eisfläche.
Durch das Fensterglas betrachte ich den beige-grauen Ausschnitt,
suche Strukturen, wo keine zu erkennen sind. Weiterlesen

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Zu Fuß

Ich bleib heut nicht stehen
und wart auf den Bus,
der im Stau nicht vorankommt –
Ich geh zu Fuß!

Heute lass ich den Wind
um die Nase mir wehen,
kann in Vorgärten gucken,
mich nach Katzen umdrehen.

Warum soll ich mich hetzen,
wenn ich nicht muss?
Ich hab es nicht eilig, denn:
Ich geh zu Fuß.

Rundum wachsen die Bäume
samt den Häusern der Stadt Weiterlesen

Nachmittag an der Elbe – (k)ein Stillleben

Allein in der Stille eines Nachmittags ist
alles, was ich höre:

Der Wind in den Bäumen am Ufer.
Ein Flugzeug. Sausen in der Luft,
von rechts nach links über die Elbe hinweg.
Ein Fahrrad, knirschend im Sand hinter mir.
Schiffsmotoren, leise tuckernd.
Eine Grille, Sommersirren zwischen den Sträuchern.
Vögel in scheinbarer Aufregung.
Ein Kind, das ruft von irgendwo: Mehr! Mehr!
Wieder ein Schiff. Größer und dumpfer im Klang.
Der Wind, ganz sacht. Hell und kurz.
Die Straße. Hintergrundrauschen, permanent.
Ein zweites Kind dazu.
Krähen. Flügelschlagen.
Ein Skateboard im Sand.
Ein Blatt vor mir auf dem Weg.
Ein Sportflugzeug und Stimmen in der Ferne.
Knackende Äste.
Wieder die Vögel.
Wieder die Straße.
Noch ein Schiff
und der Wind
und die Bäume am Ufer:

All dies ist
um mich und bleibt,
allein in der Stille eines Nachmittags,
alles, was ich höre.

notiert am 26. 08. 2014

Samstagmittag. Denkpause.

Hinter der Jalousie bleibt der Tag hörbar,
bleibt die Stadt (meine Stadt!) in Bewegung.
Der Himmel, das Licht und die Hitze aber sind ausgesperrt;
der Raum unverändert, ruhig, im Halbdunkel,
ein Rest von Nachtkühle darin eingeschlossen, hinübergerettet
wenigstens bis in den frühen Nachmittag.
Dann war die Sonne lange genug an den Fensterscheiben zugange, trotz Jalousie.

Da draußen ist Sommer.
Es ist sogar Samstag und Ferienzeit dazu (na und?).
Angeblich wollen alle hinaus und – ja – manchmal will ich das auch.
Aber heute, hier hinter der Jalousie, welche die Stadt unsichtbar macht,
bleibe ich drinnen.
Um es kurz und klar zu formulieren: Mir ist zu heiß. Weiterlesen

Stadtsommer, vormittags

Sobald das Licht die Dächer erreicht, beginnt der Tag zu gleißen.
Eine einzelne Wolke treibt durchs Bild,
unauffällig und in Auflösung begriffen.
In der Ferne ein Flugzeug im Landeanflug, lautlos, scheinbar,
bis das Geräusch der Motoren plötzlich irritiert.
Zwischen den Fassaden jagen die Schwalben,
vier, fünf, sieben Sommervögel.
Sie lassen die Häuser zu Felsklippen werden und die Straße zum Ozean. Weiterlesen

Lass mir den Wind

Lass mir den Wind,
der mich trägt,
fort, wenn ich vor ihm stehe, ohne Halt.
Nimm mir nicht den Wind!

Lass mir den Schatten,
der mich schützt,
wenn ich zu ihm fliehe vor der Hitze.
Nimm mir nicht den Schatten!

Lass mir den Schrei,
der mir zeigt,
dass ich hier bin, in der Welt, laut Weiterlesen

Indifferent

Bei Gelegenheit kann es geschehen,
dass ich nicht weiß, was ich ist.
Die Farben: Hell strahlend vor dunkelgrauem Grund.
Die Bewegung: Vorantreibend, im Stillstand.
Der Zustand: Gefangen, aber doch befreit.
Haltlos, ein sicheres Ziel vor Augen.

Ich denke dann, ich bin Weiterlesen

Möglichkeiten

Wir sind umgeben von Möglichkeiten.
Immerzu und auch dann, wenn wir denken,
es gäbe nichts zu entscheiden, weil alles bereits bestimmt sei.
Die Bestimmung geschieht mit jedem Schritt, den wir tun,
mit jedem Satz, den wir sagen oder schreiben
und sie geschieht immer vorübergehend.
Jedem Schritt und jedem Satz geht die Möglichkeit voraus,
etwas so oder vollkommen anders zu tun.
Und mit jeder Entscheidung legen wir
in einem Augenblick ein Stückweit Zukunft fest. Weiterlesen

Nachtfarben

An ihren Rändern
färbt die Nacht sich grün
als der Mond hinter Wolken verschwindet
Rötlich schimmernd
dem Horizont zu
dem niemals sichtbaren
am Ende der Dächer
wo der Fluss beginnt

Die Nacht hat viele Farben

Gelb und warm ist sie dort drüben
hinter fremden Fenstern
Stechend weiß der Mond
erneut die Stadt betrachtend
In Blau gen Norden
und Schwarz manchmal dort
wo kein Licht hindringt

Ferne Punkte leuchtend:
Die Hafenkräne und ein Stern

Die Nacht hat viele Farben

Die Nacht ist bunt.

Die Summe

Es heisst
ein Mensch sei immer
die Summe vieler Teile

Wenn wir nun also einen Menschen
im Großen und Ganzen
zusammengenommen
und eigentlich doch ganz und gar
lieben möchten

sollten wir bedenken

was jene Teile betrifft
die ab und zu
wiederholtermaßen
und eigentlich doch immer wieder
unausstehlich erscheinen

dass jene Teile
zu der Summe zählen
die der Mensch ist
den wir lieben möchten

und jeder Teil
den wir nicht zählen wollen
verringert die Summe

 

notiert Juni 2013